Geschichte
Filialkirche Maria Himmelfahrt Reichenbach (ehemalige Benediktinerabtei 1118 - 1803)
Patrozinium: 15. August

Ein malerischer Anblick: Auf einer Bergzunge über dem Fluss Regen thront die doppeltürmige Klosterkirche wie eine Burg.

Benediktiner ließen sich gern auf Anhöhen nieder.

 

Die Klostergeschichte wird anhand der Fresken an den Obergadenwänden in der Kirche verdeutlicht.

  
  Am Anfang die Stiftung

1118 stiftet Markgraf Diepold III. (in der älteren Literatur irrtümlich als Diepold II. bezeichnet) von Cham-Vohburg das Kloster. Graf Diepold widmet sein Hauskloster der Himmelskönigin.

Auf dem Pergament ist die Ansicht des Konvents skizziert, darunter das Wappen der Diepoldinger, ein roter Drache.

Reichenbacher Reform

Nicht ohne Grund wurden die ersten Benediktiner aus Kastl gerufen. Die Klöster von Cluny, Hirsau und von Kastl wurden nämlich vom Papst gefördert, um neben der Erneuerung des monastischen Lebens ein weiteres Ziel durchzusetzen: die Selbstständigkeit der Klöster vom Reich.

Solange der Kaiser als Laie Äbte und Bischöfe einsetzte, waren sie von ihm abhängig. Was aber die Kastler Mönche mit ihrer längst notwendigen Reform anstrebten, entwickelte sich zum tragischen Geschehen für das ganze Abendland:
der unsägliche Investiturstreit.

Von der Kastler Reform erfasste Benediktinerklöster um 1120, darunter jene Klöster, die in ihrer Reform von Reichenbach unterstützt wurden


   Päpstlicher Segen

Papst Calixtus II. bestätigt 1122, im Jahr des Wormser Friedens, den Schutz der Abtei, gehörte sie doch zu den Reformklöstern, die nicht dem Kaiser unterstehen wollten. Links oben eine Ansicht der Abtei aus der Zeit um 1750.


Kirchweih 1135

Bischof Heinrich I. von Regensburg, hinter den Ministranten, holt mit dem Aspergill weit aus, um die fertig gestellte romanische Abtei zu konsekrieren, 17 Jahre nach ihrer Gründung (1135).
Am Schluss der Prozession, rechts, zieht der Stifter Markgraf Diepold mit einer Kerze.
 

  

Ein letzter Dank dem Stifter

Bischof Heinrich I. von Regensburg, hinter den Ministranten, holt mit dem Aspergill weit aus, um die fertig gestellte romanische Abtei zu konsekrieren, 17 Jahre nach ihrer Gründung (1135). Am Schluss der Prozession, rechts, zieht der Stifter Markgraf Diepold mit einer Kerze.

Des Kaisers Rotbart Schutz

Kaiser Friedrich I. Barbarossa zeigte sich in seinen letzten Lebensjahren den Bayern gewogen. Der Staufer überlässt das Land den Wittelsbachern, weil sie ihm beim Italienzug das Leben retteten.
Er fördert Klöster und baut Burgen aus. Auf dem Fresko Johann Gebhards stellt dieser wohl volkstümlichste Herrscher des Mittelalters Reichenbach unter seine besondere Obhut. Diploma confirmationis lautet der Text auf dem Dokument.
 
  

Hilfe aus Rom

Kaiser Friedrich I. Barbarossa zeigte sich in seinen letzten Lebensjahren den Bayern gewogen. Der Staufer überlässt das Land den Wittelsbachern, weil sie ihm beim Italienzug das Leben retteten. Er fördert Klöster und baut Burgen aus. Auf dem Fresko Johann Gebhards stellt dieser wohl volkstümlichste Herrscher des Mittelalters Reichenbach unter seine besondere Obhut. Diploma confirmationis lautet der Text auf dem Dokument.

Tochergründung Ettal

Bald war das Kloster mächtig und einflussreich genug, um selbst missionarisch zu wirken. So wird 1330 das Kloster Ettal bei
Oberammergau von Reichenbacher Benediktinern besiedelt. Kaiser Ludwig der Bayer gibt dem Abt das Gnadenbild für Ettal mit.
 
  Der Bildersturm

 1553 - 1669 Erste Säkularisation. Die Abtei kam unter weltliche Verwaltung,
 fanatische Anhänger des Kalvinismus ziehen ein und vertreiben die letzten fünf
 Mönche. Sie hatten nur eines im Sinn, sich zu bereichern. Beim Bildersturm 1570
 wurden die meisten Kostbarkeiten geraubt. Im Hintergrund der Szene lodert ein
 Scheiterhaufen, der Henker wirft eine Bischofsfigur hinein. Die Marienstatue aber
 übersteht unversehrt die Flammen.
 

Die dunkelsten Jahre

Linker Hand wird ein Marienbild eingemauert, rechts werden Kirchenwände übertüncht. Rigoros hat man 1570 die Anweisungen der kalvinistischen Landesherren aus der Kurpfalz/Heidelberg ausgeführt. Alle Gotteshäuser der Oberpfalz wurden für die neue Lehre umgestaltet.

  Wiedergefunden

 Die Frau des Klosterverwalters erhält im Traum einen Hinweis der 
 Gottesmutter, wo ihr - seit den Wirren der Reformation verstecktes -
 Bildnis zu finden sei: unter der Stiege.

 Die Statue wurde gefunden. Seitdem wird die Marienfigur als Reichenbacher
 Gnadenbild verehrt. Die beiden Fresken, die jenes Mirakel schildern, befinden
 sich auf der Orgelempore.

1669 Neu belebt wird der
Konvent durch Regensburger
Mönche aus St. Emmeram.
Es folgt die zweite Blütezeit, die der Kirche ein neues Gewand verleiht: das Rokoko.
 Neues Lebensgefühl

 1803 Die zweite
 Säkularisation
bedeutet
 das Ende der Benediktiner in  Reichenbach. Die Abteikirche wird Filialkirche von Walderbach.


Werke der Barmherzigkeit

890 Die Klostergebäude werden vom Orden der Barmherzigen Brüder erworben, die eine Heimstätte für Behinderte einrichten und das Kloster zu einer dritten Blütezeit bis zum heutigen Tag führten. Dieser Hospitalorden wurde vom hl. Johannes von Gott (+1550) gegründet und nahm seinen Ausgang in Spanien. Durch den Dienst am Mitmenschen leistet der Orden einen Beitrag am Aufbau der Kirche




www.barmherzige-reichenbach.de

Hort des Wissens

Klostermauer mit Graben retteten einst den Konvent vor den Angriffen der Hussiten, wohingegen Walderbach geplündert wurde. Erst 1443 konnten die böhmischen Hussiten in Hiltersried besiegt werden. Das Benediktinerkloster brachte bedeutende Äbte hervor. Berühmt waren Klosterschule, Astronomie und die Kartografie der Mönche. Reichenbach entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Klöster der Oberpfalz und zum Zentrum für Himmelsbeobachtungen. Der rechteckige "mathematische Turm" (vor der Apsis, einst doppelt so hoch) ist Zeuge vielfältiger Forschungen der gelehrten Mönche während der Zeit des Humanismus.